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Verborgene Absichten

 

 

Ich war immer der Meinung, dass Begeisterung und Freude,

die ich vor dem Reiten eines Pferdes meistens empfinde, die besten Voraussetzungen für „goldene Momente“ im Training seien. Heute Morgen im Training mit Frodo wurde mir jedoch bewusst, dass sich hinter Begeisterung und Motivation auch Erwartungen und Ambitionen verbergen können.

 

Jeder, der Erwartungen hat, möchte bewusst oder unbewusst, dass diese erfüllt werden. Spielt der andere mit, ist die Welt für uns in Ordnung. Wenn nicht, können Enttäuschung und Frustration die Folge sein. In diesem Falle war es Frodo, der meine Erwartungen erfüllen sollte: Ich sah uns über den Reitplatz schweben voll Dynamik, Leichtigkeit und Brillanz, gemeinsam eins - und dass er nur darauf wartete, mit Freude meine Vorstellungen und Wünsche erfüllen zu dürfen...

 

An diesem Morgen merkte ich zunächst nicht,

dass hinter der (Über-) Motivation mein Dressurreiter-Ego lauerte und nur darauf wartete, das Zepter übernehmen zu können - Frodo jedoch bemerkte es sehr schnell. Meine anfänglich heitere und freundschaftliche Haltung ihm gegenüber veränderte sich. Sie wurde fordernder und nahm fast wie in alten Dressursportzeiten sogar leicht überhebliche Züge an. Frodo zog sich allmählich zurück. Er wurde quengelig und gereizt, mied den Kontakt zu meiner Hand, rollte sich auf und war nicht mehr für mich erreichbar. Er wollte einfach nichts mehr mit mir zu tun haben.

 

Dann kam dieser flüchtige Augenblick,

in dem ich plötzlich Verzweiflung und Ohnmacht in mir spürte und kurz danach Scham - und zwar genau die Art von Scham, die sich zeigt, wenn man erkennt, dass man einen Freund hintergangen hat.

 

Ich hielt an, legte die Zügel auf Frodos Hals und wartete darauf, mich wieder darauf besinnen zu können, wozu ich mich gegenüber den Pferden verpflichtet hatte.

Als ich dann nach ein paar Minuten eine letzte Sequenz an diesem Morgen mit ihm ritt, war die Welt für uns beide wieder in Ordnung. Erleichterung machte sich bemerkbar: Wir waren wieder miteinander verbunden.

 

Einmal mehr wurde ich an diesem Morgen daran erinnert,

wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben für die verborgenen Absichten und Erwartungen in uns und wohin sie führen können.

 

 

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